Der-p1 ist das bekannteste, aber nicht das einzige Hausstaubmilben-Allergen. Die Milbe produziert eine ganze Familie allergener Eiweiße, offiziell klassifiziert vom WHO/IUIS-Komitee von Der p 1 bis Der p 38. Diese Seite erklärt die Nomenklatur, die wichtigsten Mitglieder und warum für die Diagnostik immer mehrere Allergene relevant sind.
Die IUIS-Allergen-Nomenklatur folgt einem festen System: die ersten drei Buchstaben der Gattung, der erste Buchstabe der Art, dann eine Nummer in der Reihenfolge der Entdeckung.
Wichtig: Da sich europäische und amerikanische Hausstaubmilbe sehr ähneln, kreuzreagieren ihre Allergene stark. Der-p1 und Der-f1 sind in der Wirkung nahezu austauschbar.
Allergene werden danach eingeteilt, wie viel Prozent der Patient:innen darauf reagieren:
| Allergen | Funktion | Bedeutung |
|---|---|---|
| Der p 1 | Cystein-Protease | Major: Hauptauslöser, 80-95 % |
| Der p 2 | Lipid-bindendes Protein (NPC2) | Major: zweitwichtigstes, oft parallel zu Der p 1 |
| Der p 23 | Peritrophin (Kot-Hülle) | Major: wichtig in moderner Komponenten-Diagnostik |
| Der p 5, Der p 7, Der p 21 | diverse | Minor: regional/individuell relevant |
| Der p 10 | Tropomyosin | Kreuzreaktion mit Krebstieren/Schalentieren! |
| Der p 11 | Paramyosin | Minor, eher bei Atopikern |
| bis Der p 38 | verschiedenste | überwiegend Minor, Forschungsgegenstand |
Die moderne molekulare Allergiediagnostik (Komponenten-Diagnostik) testet einzelne Allergen-Komponenten statt pauschal „Hausstaubmilbe". Das hat praktische Konsequenzen:
Der größte Teil der Der-p-Allergene stammt nicht von der lebenden Milbe selbst, sondern aus ihrem Kot. Jede Milbe scheidet mehrmals täglich winzige Kotpartikel aus, die mit Verdauungsenzymen (darunter Der p 1 als Cystein-Protease) durchsetzt sind. Diese Partikel sind leicht genug, um beim Bettenmachen oder Staubsaugen aufzuwirbeln und über Stunden in der Raumluft zu schweben, bevor sie sich wieder absetzen. Deshalb konzentriert sich die höchste Allergenlast in Matratzen, Kissen und Bettdecken, den Orten mit dem meisten Hautschuppen-Nachschub und der stabilsten Luftfeuchtigkeit.
Zusätzlich zum Kot tragen auch Milbenkörper und deren Häutungsreste zur Gesamtbelastung bei, allerdings in geringerem Umfang als der Kot. Für die Praxis heißt das: Eine Reduktionsmaßnahme, die nur an der Oberfläche wirkt, erreicht selten die tieferen Schichten von Matratze oder Kissen, wo sich über Monate Kot ansammelt. Enzymatische Sprays sind darauf angewiesen, in die Faserstruktur einzudringen, um dort anzusetzen, wo die Konzentration am höchsten ist.
Die enge Verwandtschaft der Der-p- und Der-f-Allergene erklärt, warum viele Betroffene bei einem Allergietest auf beide Milbenarten reagieren, selbst wenn im eigenen Zuhause vor allem eine Art vorkommt. Die Immunantwort richtet sich in solchen Fällen gegen strukturell ähnliche Bereiche der Proteine, sogenannte Epitope, die bei beiden Arten fast identisch aufgebaut sind. Für die Behandlung ist das meist unproblematisch: Präparate zur Hyposensibilisierung gegen Der-p-Allergene wirken in aller Regel auch gegen die entsprechenden Der-f-Allergene mit.
Komplizierter wird es bei Kreuzreaktionen außerhalb der Milbenfamilie. Der p 10 (Tropomyosin) ist ein bekanntes Beispiel: Wer stark auf dieses Allergen reagiert, kann auch auf Garnelen, Schnecken oder Insekten reagieren, weil deren Tropomyosine dem der Milbe ähneln. Solche Patient:innen profitieren von einer Milben-ASIT oft weniger, weshalb die molekulare Diagnostik hier gezielt zwischen primärer Milbensensibilisierung und Kreuzreaktion unterscheidet.
Nein. Für die Allergenreduktion im Alltag zählt vor allem die Gesamtmenge an Milbenkot, in dem die Major-Allergene gemeinsam vorkommen. Eine Maßnahme, die den Kot enzymatisch abbaut, senkt automatisch mehrere Allergene gleichzeitig.
Der p 1 gilt als etabliertes Leit-Allergen mit langer Forschungstradition und standardisierten Messmethoden wie dem HDMA-Test. Da es im Kot in vergleichbarem Verhältnis zu den übrigen Major-Allergenen vorkommt, lässt sich daraus die Gesamtbelastung gut abschätzen.
Die Zusammensetzung bleibt stabil, die Menge schwankt aber mit der Milbenpopulation. In der warmen, feuchten Jahreszeit vermehren sich Milben stärker, wodurch auch die Konzentration aller Der-p-Allergene im Hausstaub ansteigt.