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Nomenklatur · 11 Min · mit Quellen

Die Der-p-Familie.

Der-p1 ist das bekannteste, aber nicht das einzige Hausstaubmilben-Allergen. Die Milbe produziert eine ganze Familie allergener Eiweiße, offiziell klassifiziert vom WHO/IUIS-Komitee von Der p 1 bis Der p 38. Diese Seite erklärt die Nomenklatur, die wichtigsten Mitglieder und warum für die Diagnostik immer mehrere Allergene relevant sind.

Wie die Namen funktionieren

Die IUIS-Allergen-Nomenklatur folgt einem festen System: die ersten drei Buchstaben der Gattung, der erste Buchstabe der Art, dann eine Nummer in der Reihenfolge der Entdeckung.

Wichtig: Da sich europäische und amerikanische Hausstaubmilbe sehr ähneln, kreuzreagieren ihre Allergene stark. Der-p1 und Der-f1 sind in der Wirkung nahezu austauschbar.

Major- vs. Minor-Allergene

Allergene werden danach eingeteilt, wie viel Prozent der Patient:innen darauf reagieren:

Die wichtigsten Familienmitglieder

AllergenFunktionBedeutung
Der p 1Cystein-ProteaseMajor: Hauptauslöser, 80-95 %
Der p 2Lipid-bindendes Protein (NPC2)Major: zweitwichtigstes, oft parallel zu Der p 1
Der p 23Peritrophin (Kot-Hülle)Major: wichtig in moderner Komponenten-Diagnostik
Der p 5, Der p 7, Der p 21diverseMinor: regional/individuell relevant
Der p 10TropomyosinKreuzreaktion mit Krebstieren/Schalentieren!
Der p 11ParamyosinMinor, eher bei Atopikern
bis Der p 38verschiedensteüberwiegend Minor, Forschungsgegenstand

Warum mehrere Allergene für die Diagnose zählen

Die moderne molekulare Allergiediagnostik (Komponenten-Diagnostik) testet einzelne Allergen-Komponenten statt pauschal „Hausstaubmilbe". Das hat praktische Konsequenzen:

Für die Allergen-Reduktion zu Hause spielt das keine Rolle: Da fast alle Major-Allergene Eiweiße im Milbenkot sind, reduziert der enzymatische Abbau sie gemeinsam. Die HDMA-Messung erfasst stellvertretend Der p 1 als Leit-Allergen.

Woher die Allergene kommen und wie sie sich verteilen

Der größte Teil der Der-p-Allergene stammt nicht von der lebenden Milbe selbst, sondern aus ihrem Kot. Jede Milbe scheidet mehrmals täglich winzige Kotpartikel aus, die mit Verdauungsenzymen (darunter Der p 1 als Cystein-Protease) durchsetzt sind. Diese Partikel sind leicht genug, um beim Bettenmachen oder Staubsaugen aufzuwirbeln und über Stunden in der Raumluft zu schweben, bevor sie sich wieder absetzen. Deshalb konzentriert sich die höchste Allergenlast in Matratzen, Kissen und Bettdecken, den Orten mit dem meisten Hautschuppen-Nachschub und der stabilsten Luftfeuchtigkeit.

Zusätzlich zum Kot tragen auch Milbenkörper und deren Häutungsreste zur Gesamtbelastung bei, allerdings in geringerem Umfang als der Kot. Für die Praxis heißt das: Eine Reduktionsmaßnahme, die nur an der Oberfläche wirkt, erreicht selten die tieferen Schichten von Matratze oder Kissen, wo sich über Monate Kot ansammelt. Enzymatische Sprays sind darauf angewiesen, in die Faserstruktur einzudringen, um dort anzusetzen, wo die Konzentration am höchsten ist.

Kreuzreaktivität in der Praxis

Die enge Verwandtschaft der Der-p- und Der-f-Allergene erklärt, warum viele Betroffene bei einem Allergietest auf beide Milbenarten reagieren, selbst wenn im eigenen Zuhause vor allem eine Art vorkommt. Die Immunantwort richtet sich in solchen Fällen gegen strukturell ähnliche Bereiche der Proteine, sogenannte Epitope, die bei beiden Arten fast identisch aufgebaut sind. Für die Behandlung ist das meist unproblematisch: Präparate zur Hyposensibilisierung gegen Der-p-Allergene wirken in aller Regel auch gegen die entsprechenden Der-f-Allergene mit.

Komplizierter wird es bei Kreuzreaktionen außerhalb der Milbenfamilie. Der p 10 (Tropomyosin) ist ein bekanntes Beispiel: Wer stark auf dieses Allergen reagiert, kann auch auf Garnelen, Schnecken oder Insekten reagieren, weil deren Tropomyosine dem der Milbe ähneln. Solche Patient:innen profitieren von einer Milben-ASIT oft weniger, weshalb die molekulare Diagnostik hier gezielt zwischen primärer Milbensensibilisierung und Kreuzreaktion unterscheidet.

Häufige Fragen

Muss ich alle 38 Allergene kennen, um mich zu schützen?

Nein. Für die Allergenreduktion im Alltag zählt vor allem die Gesamtmenge an Milbenkot, in dem die Major-Allergene gemeinsam vorkommen. Eine Maßnahme, die den Kot enzymatisch abbaut, senkt automatisch mehrere Allergene gleichzeitig.

Warum wird in Studien fast immer nur Der p 1 gemessen?

Der p 1 gilt als etabliertes Leit-Allergen mit langer Forschungstradition und standardisierten Messmethoden wie dem HDMA-Test. Da es im Kot in vergleichbarem Verhältnis zu den übrigen Major-Allergenen vorkommt, lässt sich daraus die Gesamtbelastung gut abschätzen.

Verändert sich die Allergenfamilie je nach Jahreszeit?

Die Zusammensetzung bleibt stabil, die Menge schwankt aber mit der Milbenpopulation. In der warmen, feuchten Jahreszeit vermehren sich Milben stärker, wodurch auch die Konzentration aller Der-p-Allergene im Hausstaub ansteigt.

Quellen

Weiter im Der-p1-Hub

Eine Familie Allergene.
Ein Mechanismus, sie abzubauen.

Über diesen Ratgeber. Geschrieben von der reset & more GmbH, Herstellerin des Allergen Spray p1 gegen Hausstaubmilben. Bevor wir ein Produkt in den Verkauf geben, prüfen wir seine Wirkung gegen das Milbenallergen Der-p1 im HDMA-Labortest und lassen die Hautverträglichkeit von Dermatest bewerten. Aus dieser täglichen Arbeit mit dem Thema Hausstaubmilben kennen wir die Fragen unserer Kundinnen und Kunden. Was wir dabei lernen, schreiben wir in diesen Ratgeber. Eine ärztliche Beratung ersetzt er nicht. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in fachärztliche Hände.