Leitlinie · 12 Min · 18.05.2026

Was Klimek et al. 2022
wirklich sagt.

Die S2k-Leitlinie zur (allergen-)spezifischen Immuntherapie (AWMF 061-004) unter Federführung von Prof. Dr. Ludger Klimek (Wiesbaden) ist in der Fassung von 2022 die zentrale Referenz für deutsche Allergologen und Allergie-Beratung. Sie ist 318 Seiten lang. Dieser Artikel fasst die für Apotheken und Allergiker relevantesten 12 Aussagen zusammen, mit Original-Zitaten und Quellenangabe.

TL;DR: Die Leitlinie empfiehlt eine Drei-Säulen-Strategie: Allergen-Karenz (Trigger-Reduktion) zuerst, dann symptomatische Pharmakotherapie, dann allergenspezifische Immuntherapie (ASIT/Hyposensibilisierung) bei persistierenden Symptomen. Für die Apotheke heißt das: aktive Beratung zur Allergen-Reduktion vor Antihistaminikum-Refill. Das deckt sich exakt mit dem Leitlinien-Stufenkonzept.

1. Was eine S2k-Leitlinie überhaupt ist

Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) werden in vier Evidenz-Klassen eingeordnet: S1 (Expertenkonsens), S2k (konsensbasiert), S2e (evidenzbasiert), S3 (evidenz- und konsensbasiert). Die Leitlinie 061-004 ist S2k, d. h. ein strukturierter Konsens der relevanten deutschen Fachgesellschaften:

2. Drei-Säulen-Konzept der Allergiker-Behandlung

Die Leitlinie etabliert eine klare Hierarchie der Behandlungs-Säulen:

  1. Allergen-Karenz (Trigger-Reduktion): wann immer möglich vor allen anderen Maßnahmen
  2. Symptomatische Pharmakotherapie: Antihistaminika, topische Kortikosteroide, Anti-Leukotriene
  3. Allergen-spezifische Immuntherapie (ASIT): SCIT (subkutan) oder SLIT (sublingual) bei persistierenden Symptomen trotz Säulen 1+2

Die Reihenfolge ist nicht willkürlich. Allergen-Karenz ist die einzige kausale Maßnahme, denn sie unterbricht den Allergen-Kontakt. Pharmakotherapie und ASIT modulieren die Immunantwort, ändern aber nicht das Vorhandensein des Allergens.

3. Was die Leitlinie zur Allergen-Karenz bei Hausstaubmilben sagt

Wörtlich (sinngemäß): „Zu den Maßnahmen der Allergen-Reduktion bei Hausstaubmilben-Allergie gehören das Encasing der Matratze und Bettwaren, regelmäßige Reinigung mit allergen-reduzierenden Verfahren, Reduktion der relativen Luftfeuchtigkeit unter 50 %, sowie Vermeidung textiler Allergen-Reservoirs."

Wichtig: Die Leitlinie erkennt explizit an, dass einzelne Maßnahmen häufig unzureichend wirksam sind und eine Kombination empfohlen wird. Dieser Punkt wird in der Apothekenberatung oft falsch kommuniziert: Encasing allein reicht nicht.

Praxis-Konsequenz: Eine HV-Tisch-Empfehlung zur Allergen-Reduktion sollte mindestens drei Punkte abdecken: (a) Encasing für Migrationsstopp, (b) Allergen-Abbau auf Oberflächen (z. B. Allergen Spray p1 für bestehende Der-p1-Last), (c) Luftfeuchte-Kontrolle. Nur diese Kombination entspricht der Leitlinie.

4. Pharmakotherapie: Stufen-Empfehlung

Die Leitlinie folgt der ARIA-Klassifikation (Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma):

SchweregradStufe 1 OTCStufe 2 OTC/Rx
Intermittierend leichtAntihistaminikum bei Bedarf
Intermittierend mittel-schwerAntihistaminikum täglich+ topisches Nasen-Spray
Persistierend leichtAntihistaminikum + Nasenspülung+ Allergen-Karenz intensivieren
Persistierend mittel-schwerTopisches Steroid Rx + Allergologen-Überweisung

An der OTC-Schnittstelle (Apotheke) heißt das: bis „persistierend leicht" Selbstmedikation möglich, danach Hausarzt-Empfehlung. Cetirizin und Loratadin sind die First-Line-OTC-Substanzen. Die Leitlinie sieht keine relevanten Unterschiede zwischen den nicht-sedierenden Antihistaminika der zweiten Generation.

5. ASIT: wann sie indiziert ist

Die allergenspezifische Immuntherapie ist die einzige kausal-modifizierende Behandlung. Indikation laut Klimek:

Wirksamkeit bei Hausstaubmilbe: 60-80 % der Patienten erfahren eine relevante Symptom-Reduktion. ASIT kommt ausschließlich beim Allergologen, nicht in der Apotheke. Die Apotheke sollte Patienten mit persistierenden Symptomen aber aktiv auf die ASIT-Option hinweisen und eine Hausarzt-Überweisung anregen.

6. Was die Leitlinie nicht explizit empfiehlt

Wichtig für die Beratung am HV-Tisch ist, was die Leitlinie nicht empfiehlt:

7. Was für Kinder gilt

Bei Kindern besonders wichtig laut Leitlinie:

8. Was die Leitlinie noch hinzufügt

9. Wie Allergen Spray p1 in die Leitlinie passt

Die Leitlinie nennt keine konkreten Produktnamen; das ist bei Leitlinien üblich. Sie nennt aber Wirkprinzipien. Allergen Spray p1 ist eine konkrete Implementierung des Säule-1-Prinzips „Allergen-Reduktion auf textilen Oberflächen":

Quellen

Weiter lesen

Über diesen Ratgeber. Geschrieben von der reset & more GmbH, Herstellerin des Allergen Spray p1 gegen Hausstaubmilben. Bevor wir ein Produkt in den Verkauf geben, prüfen wir seine Wirkung gegen das Milbenallergen Der-p1 im HDMA-Labortest und lassen die Hautverträglichkeit von Dermatest bewerten. Aus dieser täglichen Arbeit mit dem Thema Hausstaubmilben kennen wir die Fragen unserer Kundinnen und Kunden. Was wir dabei lernen, schreiben wir in diesen Ratgeber. Eine ärztliche Beratung ersetzt er nicht. Bei anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in fachärztliche Hände.