Die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei) ist die einzige hier behandelte Milbe, die sich aktiv in die menschliche Haut gräbt. Sie verursacht die Krätze (Skabies): ansteckend und mit starkem nächtlichem Juckreiz. Wichtig: Das hat mit Hausstaubmilben nichts zu tun und lässt sich nicht mit Hausmitteln lösen. Bei Verdacht gehört man zum Arzt.
Befruchtete Krätzmilben-Weibchen graben in der obersten Hautschicht (Hornschicht) feine Gänge, in die sie Eier und Kot ablegen. Der Körper reagiert mit einer allergisch-entzündlichen Reaktion. Daher der intensive Juckreiz, der oft erst Wochen nach Ansteckung einsetzt. Übertragen wird Krätze vor allem durch längeren Haut-zu-Haut-Kontakt, seltener über gemeinsam genutzte Textilien.
| Krätzmilbe | Hausstaubmilbe | |
|---|---|---|
| Befällt Menschen? | ja, gräbt sich in die Haut | nein |
| Ansteckend? | ja | nein |
| Behandlung | verschreibungspflichtig, ärztlich | Allergen-Reduktion in der Umgebung |
| Hauptsymptom | nächtlicher Juckreiz, Gänge | Schnupfen/Niesen |
Ein befruchtetes Weibchen gräbt sich innerhalb weniger Stunden nach dem Aufsetzen auf die Haut in die Hornschicht ein und legt dort täglich zwei bis drei Eier ab, während sie den Gang stetig weitergräbt. Die Larven schlüpfen nach wenigen Tagen, wandern teils an die Hautoberfläche und entwickeln sich über mehrere Stadien zur geschlechtsreifen Milbe. Der gesamte Zyklus von Ei bis erwachsenem Tier dauert etwa zwei bis drei Wochen. Weil ein einzelnes Weibchen über Wochen kontinuierlich neue Gänge anlegt und Eier ablegt, kann aus wenigen übertragenen Milben in kurzer Zeit ein deutlich sichtbares Beschwerdebild entstehen, vor allem bei Erstinfektion, wo das Immunsystem die Milbenantigene noch nicht kennt.
Genau diese Verzögerung ist medizinisch bedeutsam. Bei einer Erstinfektion vergehen häufig zwei bis fünf Wochen, bis der charakteristische Juckreiz einsetzt, weil der Körper erst eine Sensibilisierung gegen die Milbenproteine aufbauen muss. Bei einer erneuten Ansteckung nach bereits durchgemachter Krätze reagiert das Immunsystem dagegen deutlich schneller, oft innerhalb weniger Tage. Diese lange, aber unauffällige Inkubationszeit bei der Erstinfektion erklärt, warum sich Krätze in Gemeinschaftseinrichtungen und Familien oft unbemerkt über mehrere Wochen ausbreitet, bevor die ersten Symptome bei den ersten Betroffenen sichtbar werden.
Nicht jeder nächtliche Juckreiz ist Krätze, und diese Unsicherheit führt in der Praxis häufig zu falschen Selbstdiagnosen. Auch ein trockenes Hautekzem, eine Kontaktallergie auf Waschmittel oder Kosmetika, oder schlicht sehr trockene Heizungsluft im Winter können nächtlichen Juckreiz auslösen, ohne dass eine ansteckende Milbenerkrankung vorliegt. Der entscheidende Unterschied liegt im Erscheinungsbild: Krätze zeigt typischerweise feine, wenige Millimeter bis Zentimeter lange, leicht erhabene Gänge, die man bei genauem Hinsehen als dünne graue Linie erkennen kann, oft mit einem kleinen Bläschen am Ende. Ein Ekzem zeigt dagegen flächige Rötung, Schuppung oder Krustenbildung ohne diese linienförmigen Gänge.
Weil beide Bilder für Laien schwer zu unterscheiden sind und eine falsche Einschätzung in die eine wie die andere Richtung unangenehme Folgen hat, entweder eine übersehene ansteckende Erkrankung oder eine unnötige Isolation und Panik, ist bei anhaltendem, unklarem Juckreiz mit oder ohne sichtbare Gänge grundsätzlich die ärztliche Abklärung der richtige Weg. Eine Blickdiagnose mit Dermatoskop oder ein mikroskopischer Nachweis aus einem Hautgeschabsel klärt die Situation innerhalb weniger Minuten zuverlässig.
Neben der eigentlichen medikamentösen Therapie, die ausschließlich der Arzt festlegt, spielt die Wäschehygiene eine unterstützende Rolle, damit Milben aus Bettwäsche, Kleidung und Handtüchern nicht erneut übertragen werden. Nach RKI-Empfehlung werden Textilien, die in den Tagen vor der Behandlung in engem Körperkontakt waren, bei mindestens 60 °C gewaschen. Was sich nicht waschen lässt, etwa Schuhe, Kuscheltiere oder Polstermöbel, wird für mehrere Tage in einem verschlossenen Plastiksack gelagert, da Krätzmilben außerhalb der menschlichen Haut nur begrenzt überlebensfähig sind und ohne Wirt nach dieser Zeit absterben. Diese Maßnahmen ersetzen die ärztliche Behandlung nicht, sie verhindern lediglich eine Wiederansteckung aus der eigenen Wäsche und sollten strikt parallel zur verordneten Therapie erfolgen, nicht als Ersatz dafür.