Wer im Spätsommer nach der Gartenarbeit plötzlich stark juckende rote Stiche an Beinen und Hautfalten hat, hat es meist mit Grasmilben zu tun. Mit Hausstaubmilben hat das nichts zu tun. Die winzigen orangeroten Larven der Herbstmilbe (Neotrombicula autumnalis) sitzen im Gras und saugen an der Haut. Hier erfährst du, wie du sie erkennst und vorbeugst.
Grasmilben, auch Herbstmilben oder Erntemilben genannt, gehören zur Familie der Laufmilben. Problematisch ist nur das Larvenstadium: winzige (0,2-0,3 mm), orangerote Larven, die im Gras auf Wirte warten. Sie setzen sich an der Haut fest, geben ein Speichelsekret ab, das Hautzellen verflüssigt, und saugen diese auf. Das Sekret löst die typische, sehr starke Juckreaktion aus. Nach einigen Stunden bis Tagen fallen sie ab; auf dem Menschen leben sie nicht.
| Grasmilbe | Hausstaubmilbe | |
|---|---|---|
| Lebensraum | draußen, Rasen/Wiese | drinnen, Bett/Polster |
| Sticht? | ja (Larve saugt) | nein |
| Hauptproblem | juckende Stiche | Allergie (Der-p1) |
| Saison | Juli–Oktober | ganzjährig (Peak Herbst) |
Nur das Larvenstadium ist für Menschen und Tiere überhaupt relevant. Die erwachsenen Grasmilben und die Nymphen leben räuberisch im Boden und ernähren sich von anderen kleinen Bodenlebewesen, ohne Kontakt zu größeren Wirten zu suchen. Erst die frisch geschlüpften Larven klettern an Grashalmen und Pflanzen hoch, warten dort auf einen vorbeikommenden Wirt und heften sich an. Nach der Blutmahlzeit, die eigentlich eher eine Gewebeflüssigkeits-Mahlzeit ist, fallen die Larven wieder ab und entwickeln sich am Boden weiter zur nächsten Generation. Ein einzelner Wirtskontakt reicht der Larve, ein Zyklus mit mehreren Wirten wie bei manchen Zeckenarten findet nicht statt.
Diese Biologie erklärt, warum Grasmilben-Stiche fast immer gehäuft auftreten. Wer barfuß oder mit kurzer Hose durch hohes Gras läuft, sammelt binnen Minuten mehrere Dutzend Larven auf, die sich bevorzugt dort festsetzen, wo Kleidung eng anliegt oder Hautfalten die Wanderung stoppen. Das erklärt das typische Muster entlang von Sockenrand, Hosenbund oder Kniekehle, das bei anderen Insektenstichen so nicht vorkommt.
Anders als beim Mückenstich, bei dem meist nur Speichel eingebracht wird, verflüssigt das Sekret der Grasmilbenlarve aktiv Hautgewebe, das anschließend aufgesaugt wird. Der Körper reagiert auf dieses Sekret mit einer ausgeprägten Entzündungsreaktion, die deutlich stärker und länger anhaltend ist als bei den meisten anderen Insektenstichen. Während ein Mückenstich meist nach ein bis zwei Tagen abklingt, kann der Juckreiz bei Grasmilbenstichen fünf bis zehn Tage anhalten und in dieser Zeit sogar noch zunehmen, bevor er langsam nachlässt. Wichtig zu wissen: Die Larve selbst ist zu diesem Zeitpunkt längst abgefallen, der anhaltende Juckreiz ist eine reine Immunreaktion auf das zurückgebliebene Sekret, keine fortlaufende Attacke.
Kratzen verschlimmert diese Reaktion zusätzlich, weil aufgekratzte Haut leichter bakteriell infiziert wird und die Entzündung dadurch verlängert statt verkürzt wird. Kühlende Gele mit Antihistaminikum oder Hydrocortison aus der Apotheke lindern den Juckreiz spürbar, ohne dass die eigentliche Ursache noch behandelt werden müsste, denn die Larve ist ja bereits weg.
Ein häufiges Missverständnis ist die Sorge, Grasmilben könnten wie Hausstaubmilben ins Bett gelangen und sich dort dauerhaft einnisten. Das ist biologisch nicht möglich. Grasmilben benötigen feuchten Boden und Pflanzenbewuchs für ihren Lebenszyklus, eine trockene Matratze oder ein Teppich bieten ihnen keinerlei Lebensgrundlage. Auch die Larve selbst sucht nach der Blutmahlzeit aktiv wieder den Boden auf und bleibt nicht am Wirt. Wer also Grasmilbenstiche hat, muss weder die Wäsche gegen Milbenbefall behandeln noch die Matratze reinigen, da schlicht keine Verbindung zum häuslichen Milbenproblem besteht. Das unterscheidet Grasmilben fundamental von Hausstaubmilben, deren gesamter Lebenszyklus an Textilien im Wohnbereich gebunden ist.