Die vier Risikogruppen der Biostoffverordnung
Die deutsche Biostoffverordnung (BioStoffV) und die Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 466 kennen vier Risikogruppen für Mikroorganismen, gestaffelt nach Krankheitserregungs-Risiko und Verbreitbarkeit:
| Risikogruppe | Krankheitserregend? | Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Nein, gesundheitlich unbedenklich | Bacillus subtilis, Lactobacillus, Bäckerhefe |
| 2 | Möglich, aber meist beherrschbar | Influenza-Virus, Salmonella, E. coli (manche) |
| 3 | Schwere Erkrankung möglich | HIV, Hepatitis B/C, Mycobacterium tuberculosis |
| 4 | Schwere Erkrankung, hohe Verbreitung, keine Therapie | Ebola, Marburg-Virus, Pocken |
Mikroorganismen-Klasse 1 (synonym: Risikogruppe 1) bedeutet also formal: „Es ist unwahrscheinlich, dass dieser Mikroorganismus beim Menschen eine Krankheit verursacht." (Wörtliche BioStoffV-Definition.)
Was Bacillus-Stämme genau sind
Die Bacillus-Gattung ist eine der bestuntersuchten und sichersten Bakterien-Gruppen. Charakteristisch ist die Fähigkeit, Sporen zu bilden: robuste Dauerformen, die ungünstige Bedingungen überstehen und bei günstigen Verhältnissen wieder zu aktiven Bakterien werden.
Die wichtigsten technischen Eigenschaften für ein Reinigungs-Spray:
- Aerob: brauchen Sauerstoff, leben auf Oberflächen, nicht in Geweben
- Proteasen-Bildner: produzieren Enzyme, die Proteine zerlegen (genau das, was Der-p1 ist)
- Biofilm-bildend: bilden eine schützende Schicht auf Oberflächen, in der sie wochenlang aktiv bleiben
- Konkurrenz-stark: verdrängen pathogene Mikroorganismen durch Substrat-Wettbewerb (das ist der probiotische Wirkmechanismus)
- Hitze-stabil als Sporen, bis 100 °C kurzzeitig
- Magen-säurefest: werden, falls verschluckt, problemlos verstoffwechselt oder ausgeschieden
Warum gerade Bacillus für Allergen-Abbau
Der zentrale Wirkmechanismus von Allergen Spray p1 ist die enzymatische Zersetzung des Der-p1-Proteins aus dem Milbenkot. Der-p1 selbst ist eine Cystein-Protease, also ein Eiweiß-spaltendes Enzym. Bacillus-Stämme produzieren Subtilisin-ähnliche Proteasen, die Der-p1 angreifen können.
In unabhängigen Tests reduziert Allergen Spray p1 die Der-p1-Konzentration auf behandelten Oberflächen um bis zu 93 % innerhalb von 2-4 Wochen wöchentlicher Anwendung. Das passiert nicht durch eine chemische Reaktion in der Flasche, sondern durch die nach dem Sprühen weiter arbeitenden Mikroorganismen.
Sicherheit für Kinder, Allergiker, Tiere
Die formale Einstufung Klasse 1 ist die Voraussetzung. Die Praxis-Sicherheit muss aber zusätzlich durch Anwendungs-Tests bestätigt werden:
- Dermatest „sehr gut": Patch-Test unter dermatologischer Aufsicht, Verträglichkeit auch auf empfindlicher Haut bestätigt
- EDC-frei: keine endokrin wirksamen Chemikalien (BPA, Phthalate, Parabene)
- GMO-frei: keine gentechnisch veränderten Organismen, ausschließlich nativ vorkommende Stämme
- Parfümfrei: keine ätherischen Öle, keine Duftstoffe (häufige Kreuzreaktoren)
- Treibgas-frei: Pumpsprüh-System statt Aerosol
- Aluminium-frei in der Verpackung
Was nach dem Sprühen passiert
Beim Auftragen verteilen sich Bacillus-Sporen und aktive Zellen feinst auf der Oberfläche. Die Wassermenge ist gering und verdunstet binnen Minuten. Die Mikroorganismen bilden in den nächsten Stunden eine dünne Biofilm-Schicht und beginnen, das vorhandene Der-p1 enzymatisch zu zerlegen. Dieser Prozess läuft 3-4 Wochen aktiv weiter, danach lässt die Aktivität nach.
Auf der Hautseite passiert nichts Vergleichbares: Die Bacillus-Stämme bevorzugen organisch-strukturierte Oberflächen (Textilien, Polster) und sind in der natürlichen Hautmikrobiota nicht konkurrenzfähig. Bei Schleimhaut-Kontakt würden sie schlicht abtransportiert.
Was nicht in Allergen Spray p1 ist
| Substanz-Klasse | In Allergen Spray p1 | Warum relevant |
|---|---|---|
| Pyrethroide / Permethrin | Nein | Akarizide, schädlich für Aquarium-Tiere und Insekten |
| Benzalkoniumchlorid | Nein | Quartäre Ammonium-Verbindung, Reizpotential |
| Alkohole | Nein | Hautirritation, kein Allergen-Effekt |
| Tenside (SLS, SLES) | Nein | Hauttrockenheit, Schaumbildung unerwünscht |
| Parfüm / ätherische Öle | Nein | Kreuzreaktion bei Allergikern |
| Chlor / Halogenide | Nein | Atemwegs-Reizung, Materialschäden |
| Konservierungsmittel synthetisch | Nein (Biofilm reicht) | Methylisothiazolinone und Co. allergen |
Quellen
- Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Biostoffverordnung (BioStoffV): Risikogruppen-Einteilung.
- TRBA 466: Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe, Einstufung von Prokaryonten (Bacteria und Archaea) in Risikogruppen.
- EU-Richtlinie 2000/54/EG: Schutz der Arbeitnehmer gegen Gefährdung durch biologische Arbeitsstoffe.
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stellungnahmen zu Bacillus-Stämmen in Verbraucherprodukten.
- Dermatest GmbH. Prüfbericht „sehr gut" Reset Allergen Spray p1.
- WHO/IUIS Allergen Nomenclature: Klassifikation und Eigenschaften Der-p1.
- Hong HA et al. (2005). The use of bacterial spore formers as probiotics. FEMS Microbiology Reviews.